Süd-West-Australien Urlaub 2011, Teil 3: Albany nach Walepole über Valey of the Giants (Tag 5)

Gespeichert von Vasco Weinhard am/um

Nach einer schönen warmen Nacht und einem entspannten Vortag geht es heute nun mal wieder auf die Straße. Für heute ist ein relativ kurzes Stück geplant Richtung Denmark (Stadt, nicht Land). Das Stück ist zwar sehr kurz aber soll doch einiges zu bieten haben. Da ich ja nun entschlossen habe, dass ich Zeit habe, fange ich auch damit an. Als erstes habe ich gesehen, es gibt westlich von Albany (also da wo ich eigentlich schon war) noch einen Aussichtspunkt und irgendein Kriegsdenkmal/Fort. Es ist zwar bewölkt aber ich will ja nun nicht noch auf schönes Wetter warten. Also fahre ich da gleich erst mal hoch bevor ich dann weiter Richtung Westen fahre.
Das Fort war leider noch geschlossen (es ist übrigens 9:30h bis ich da war, Australische Gemütlichkeit). Aber wie ich an den Zaun ran gefahren bin wurde auch deutlich, dass das Fort nur eine Sammlung an Häusern auf dem Berg ist. Obwohl die (vermutlich) nette Bedienung derweil da ist und mich hektisch rein winkt entschließe ich mich doch die paar Meter noch weiter bergauf zu fahren um den Aussichtspunkt und das Denkmal zu bestaunen. Erwartungsgemäß war das Denkmal halt ein Denkmal und da ich zu faul war mir die ganzen Infotafeln durchzulesen weiß ich auch heute noch nicht, wofür das da noch mal genau steht. Und dank der Wolken war der Ausblick auf Albany nun halt einer von vielen. Da gab es doch schon deutlich bessere. Aber dank der gefühlten 10.000 Stufen (vermutlich tatsächlich so 150) habe ich meinen Morgensport nun hinter mir und kann frisch trainiert die Fahrt fortsetzen.
Wie ich gestern noch lernen durfte im Hostel und aus dem Reiseführer steht der Windpark nördlich von einigen anderen Attraktionen. Da sollen noch imposante Feldformationen, verlassene Strände und atemberaubende Ausblicke sein, die ich gestern offenbar gemisst habe. Somit heute noch mal in die selbe Richtung und am Windparkschild einfach mal vorbeifahren.
Und tatsächlich kommt da noch ein ganzer Nationalpark. Also mal wieder meine neue Taktik anwenden und wirklich jede Abbiegung austesten. Ob da nun ein Hinweisschild auf eine Touristenattraktion steht oder nicht. Und auch heute soll diese Taktik von Erfolg gekrönt sein (nicht immer, manchmal steht man auch einfach nur auf einer langen Hofeinfahrt aber das kann man ja wohl noch mal verkraften. Ziemlich bald tun sich also das "Gap" (Spalte) und die "Bridge" (Brücke) auf wie es das Hostel mit diversen Bildern angepriesen hat. Das wohl interessanteste an dem Gap ist die Tatsache, dass es das fehlende Gegenstück noch heute an der Küste der Antarktis geben soll. Denn an sich ist das Gap halt nur eine extrem steile Lücke in einer sonst ziemlich massiven Felswand. Interessant fand ich an dieser Stelle jedoch mal wieder die 2 Gesichter Australiens. Die ansonsten extrem auf Sicherheit bedachten Australier halten es hier nicht für nötig mal Absperrungen anzubringen. Alles was als "Sicherheit" da war, war ein nettes Hinweisschild, dass hier schon mehrere Menschen tödlich verunglückt sind und man bitte vorsichtig sein soll, weil die Steine rutschig sein können. Na da ist man hier aber sonst andere Maßstäbe gewohnt und selbst in Deutschland wäre das wohl ein wenig anders. Also nehme ich mir diesen Hinweis einfach mal zu Herzen und gehe nicht an den Rand um runter zugucken (ich würde ja eigentlich gerne). Direkt neben dem Gap ist auch gleich die Bridge. Praktisch so muss man da nicht extra rumfahren. Die Bridge ist ein unterspülter Felsen, so dass tatsächlich eine Felsenbrücke übrig bleibt Das ist denke ich schon etwas, was man nicht alle Tage sieht. Auch hier wieder: Sicherheitsabsperrung? Nein danke. Ich habe ja nun schon gelernt und halte mich mal von der Kante weg. Und irgendwo stelle ich dann auch mal fest: so ein bisschen kümmern sie sich doch darum. Denn an mir runter geschaut sehe ich ein Hinweisschild auf den Stein genagelt, dass ich gerade brüchige Felsen betrete und bitte doch nicht weiter gehen soll. Glücklicherweise habe ich dieses recht gut getarnte Schild zufällig gesehen. Danke
Nun darf ich auch gleich feststellen warum dort immer mal welche umkommen. Zwei vermeintliche Engländer (wenn ich den Akzent richtig gedeutet habe) wollten doch unbedingt ein Bild haben, wie sie auf der Bridge stehen und wenn man schon mal da ist, kann man sich ja auch unter die Felsen stellen, wo ich oben drauf kurz davor auf den Warnhinweis getreten bin. Den beiden Gesellen ist nun nichts passiert aber trotzdem stehen sie in meinem Foto. Danke ihr *piep*

Nun denn. Also geht es nun weiter im Nationalpark. Die nächste Station sind die "Blowholes" (Blaslöcher). Entgegen den etwas zweifelhaften Namen handelt es sich hier Löcher in der Gesteinswand (wie ich es ja nun schon von "The Gap" und "The Bridge" kenne) durch die sich manchmal die Wellen durch pressen und zu imposanten Wasserfontänen werden sollen. Ob dies so ist hängt nun leider von einigen Faktoren ab (wie Windrichtung, Wellenhöhe, ..) und wie es scheint hatte ich heute kein Glück. Irgendwie waren es nur Löcher im Boden aber von Fontänen war leider nichts zu sehen. Und auch hier waren die Sicherheitsvorkehrungen mal wieder überwältigend. Einzig ein Warnhinweis, dass das Wasser manchmal auch Steinchen mit hoch bringt und man somit besser nicht über den Löchern sein sollte war hier nichts von Absperrungen oder so zu finden. Wie ich ausreichend entfernt von den Löchern (damit mich kein Stein erschlägt) auf die eine perfekte Welle gewartet habe kam mir derweil auch so der Gedanke, dass wenn das Wasser von unten kommt ich ja offensichtlich auf einem Felsvorsprung stehe. Ich habe mich also dazu entschlossen nicht darauf zu warten, dass der Fels abbricht und ins Meer rutscht sondern mich einfach mal weiter auf die Reise gemacht.
Die nächsten Stationen waren dann in meinem Reiseführer nur noch mit "ein paar schöne Strände und Aussichten" beschrieben daher hab ich nun leider keine Ahnung wie diese ganzen Naturschönheiten nun wirklich heißen (auch hier war ich mal wieder zu faul die ganzen Lebensgeschichten zu den Stränden, Buchten und Felsen zu lesen). Aber diese Schönheiten waren definitiv unter präsentiert im Reiseführer. In diesem Park waren so einige einsame Buchten versteckt von denen man leider immer nur von den Felsen runter blicken konnte. Zwischenzeitlich kam mir mal der Gedanke wieder nach Albany zurück zu fahren, mir einen gelangweilten Rentner suchen, der mich von der Seeseite aus mit seinem Boot an diese Strände bringt. Aber da ich dann vermutlich mit einem alten verbitterten Rentner an diesem Strand sitzen muss hab ich mich nun doch dagegen entschieden. Das spare ich mir dann also mal für später auf, wenn man mal seine 'Lebensabschnittsgefährtin' in eine einsame Bucht entführen muss (wer auch immer das mal sein wird, nur um den Rückfragen vorzubeugen).
Ich denke ich spare mir einfach mal jedes einzelne Foto zu erklären, ich glaube sie sind weites gehend selbsterklärend und einfach nur schön (und nein die kommen nicht aus dem Reisekatalog). Einzig die kleine Raupe sei vielleicht noch mal einer Geschichte wert. Wie ich also an dem Ausblick und das Foto in die Bucht als ausreichend empfunden habe wollte ich mich auf das Geländer lehnen und den Ausblick noch etwas auf mich wirken lassen. Wie so üblich in Australien schaue ich immer nach irgendwelchen giftigen (oder böse aussehnden Tieren) bevor ich mich irgendwo hinsetze oder auflehne. So auch in diesem Fall, auch wenn ich bereits zum anlehnen angesetzt hatte. Wie ich dann feststellte hat der kleine Geselle gerade direkt vor mir Stellung bezogen und wäre mal ganz geschmeidig von meinem Ellbogen erdrückt worden. Da ich ihn mit seiner rot/orangen Färbung als erstmal gefährlich eingestuft habe, habe ich vorsichtig das Foto gemacht und die Flucht ergriffen. Naja, wenn ich mich nun richtig informiert habe, handelt es sich um eine total gewöhnliche Raupe des Schlehen-Bürstenspinners und ist weder gefährlich und zudem wohl haufenweise in Europa anzutreffen. Nunja, da ich leider mein Tierbestimmungsbuch Mitteleuropa nicht mit hatte war es wohl besser eher vorsichtig zu sein. Vielleicht beweist ja einer auch noch das Gegenteil, da es den Schlehen-Bürstenspinner eigentlich nicht wirklich in Australien gibt aber ich konnte nichts besseres finden was so aussieht :)
Nach diesem Park ging es dann mal Richtung Denmark weiter. Über Denmark hat man im Vorfeld schon sehr viel gehört und dementsprechend groß war die Erwartung. Anscheinend sollen alle Künstler Australiens in Denmark wohnen (naja zumindest viele) und laut Reiseführer sollen 2/3 der Geschäfte in Denmark mit Second Hand Artikeln handeln. Die Mischung klingt zwar nicht unbedingt nach einem riesen Shoppingparadies aber zumindest interessant. Auf dem Weg dahin stellte ich mal wieder fest, dass die Australier unglaublich auf besondere Briefkästen stehen. Die Post bringt die Briefe hier nicht an die Tür sondern nur bis zur Hofeinfahrt. Da dier hier entsprechend lang ist (manchmal sieht man nicht mal das Haus) stellen sich die Farmer einen Briefkasten an die Kreuzung. Soweit ja noch normal, aber irgendwie scheint hier ein geheimer Wettkampf statt zu finden wer den kreativsten Briefkasten hat. Von ausgedienten Fässern bis hin zu Waschmaschinen, Toiletten, Tauchglocken, selbst gebastelte Gebilde, ... man hat alles gesehen. Ich habe heute mal angefangen einige dieser Gebilde mal einzufangen. Leider musste ich feststellen habe ich die besten Exemplare zwar schon gesehen aber nicht als solche erkannt. Schade, die Tauchglocke wäre zurückblickend sicherlich auch ein Foto wert gewesen.

Nun also weiter nach Denmark. Die Stadt hat mal wieder gar nichts zu bieten. Dass 2/3 der Shops Second Hand Läden sind ist zwar richtig, aber bei 3 Shops in der Häuseransammlung nicht wirklich eine großartige Leistung. Auch sonst war von den ganzen Künstlern nicht viel zu sehen außer ein paar Galerien. Wer auf der Suche nach einem Bild ist mag da gut aufgehoben sein, aber meins war es dann nun nicht. Da auch das empfohlene Café aus dem Reiseführer mittlerweile nicht mehr existiert mache ich mich direkt weiter auf die Straße und begebe mich zu dem nahegelegenen "Valley of the Giants" (Tal der Riesen).

Das Valley of the giants ist eine Region, die von giant trees bewachsen ist. Dies sind bis zu 40m hohe Bäume, die dabei einen Umfang von mehreren Metern entwickeln können. Laut Infotafel (die ich ausnahmsweise mal ganz gelesen habe) sollen es die 2. größten Bäume der Welt sein (direkt hinter den Mammutbäumen aus Kalifornien). Mein Start bei der Erkundungstour dieser Giganten war der überall angepriesene "Top of the Tree Walk". Eine Stahlkonstruktion, die in die Baumgipfel gebaut wurde um einen Blick von oben auf das Tal und die Bäume zu werfen. Nachdem ich brav meine 7,50EUR Eintritt bezahlt habe, gibt es auf die brückenartige Konstruktion. Sicherlich wäre das für einige ein Graus gewesen, da die schwebend in den Bäumen platziert war und zudem der Boden aus Stahlgitter bestand. Für Leute mit Respekt vor Höhe oder diesen Stahlgittern sicherlich kein Vergnügen. Da ich mich zu keinem der beiden Gruppen zähle konnte ich das leichte Schwingen fast schon genießen. Leider war die Brücke nur so schmal, dass ein Überholen des Vordermannes nicht möglich war und somit wurde man im Schneckentempo durch die Baumgipfel gedrängt (es war genug Platz, aber es war halt immer einer hinter dir, den man ja nicht ausbremsen wollte wie es der Vordermann getan hatte). Leider wirken die Bäume von oben viel kleiner als von unten, daher habe ich den Ausblick genossen, ein paar Fotos geschossen und bin wieder gefahren. Aber zuvor habe ich beschlossen ich muss die Bäume doch noch mal vom Nahen sehen und von unten. Somit mal wieder die Taktik anwenden jede Abzweigung zu versuchen unabhängig ob das ausgeschildert ist oder nicht.
Kurze Zeit drauf fand ich mich daher auf einer Dirtroad wieder, die mit "giant tree track" bezeichnet war. Das klingt doch vielversprechend somit ruckel ich mich die 20 Minuten den Weg hinauf um dann an einen Parkplatz anzukommen. Da ausser mir noch 2 weitere Autos da sind, muss es da wohl irgendwas zu bestaunen geben. Also entschließe ich mich auszusteigen und den Weg mal entlang zu gehen.
Tatsächlich hat sich der Weg und der Stopp gelohnt. Ich fand mich an dem aktuell größten Baum wieder der direkt neben dem ehemals größten Baum stand. Der ehemals größte Baum war mir tatsächlich bekannt, jedoch hatte ich das Bild immer zu den Mammutbäumen in Kalifornien gepackt. Denn eine Eigenart dieser Bäume ist, dass sie unten hohl sind. Der ehemals größte Baum war so groß, dass in dem Hohlraum ein Fahrzeug durchfahren konnte. Das Bild mit dem parkenden VW Bullie hatte ich definitiv schon mal gesehen.
Da hier auch mal wieder eine Karte zu finden war, wo ich gerade bin und was in der Umgebung noch so alles Tolles ist habe ich nun auch erfahren, dass in der Nähe ein natürlicher Pool zu finden ist. Sprich ein See, der von einem Fluss durchflossen wird. Da ich schon mal hier bin will ich mir das auch noch mal angucken und ganz eventuell mich in diesem Pool mal erfrischen (da ich gestern eine heiße Dusche hatte, darf es heute wohl mal die Abkühlung sein?). Der Weg zu diesem Pool hat sich dabei auch mal wieder als interessant erwiesen. Das Gerucken auf dem Dirtroad bin ich derweil ja gewohnt aber dass man nun schon Feldwege als Einbahnstraßen deklariert war wieder mal neu für mich. Hab ich gleich mal als Anlass genommen, die Abzweigung zu fotografieren.
Bei dem Pool angekommen musste ich leider den Plan mit dem Schwimmen verwerfen. Zwar wurde der See noch von einem Rinnsal durchspült aber ich lernte, dass aufgrund von organischen Materialien das Wasser eine schwarze Färbung hat. Das soll zwar total unproblematisch sein, aber irgendwie wollte ich da nicht mehr reinspringen. Ich habe mich also entchieden das einfach auf Foto festzuhalten und nicht in ein viel zu kaltes schwarzes Wasser zu springen. In den heißen Sommermonaten mag diese Entscheidung anders ausfallen, aber heute defintiv mal nicht :)
Nun ruckel ich so langsam mal wieder Richtung Hauptstraße und wie ich feststelle muss ich dringend tanken. Also auf dem direkten Weg (ohne weitere Feldwegversuche) in die nächste Stadt in der Hoffnung, dass diese auch eine Tankstelle hat. Walepole ist tatsächlich so groß, dass es eine Tankstelle, einen Supermarkt und ein Restaurant gibt. Demnach tanke ich und besorge mir meine warme Mahlzeit in dem Restaurant. Somit neigt sich dieser Tag auch zum Ende also wird es Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Da ich die Parkplätze an dem Highway so langsam leid bin war ich mit meinem vollen Tank nun geneigt mal einen einsamen Strand zu finden. Kurz hinter Walepole fand sich auch schon das erste Hinweisschild. Dort angekommen durfte ich die Bekanntschaft mit einem Herren machen, der vor mir da war. Nach seiner Version war er heute draußen zum Fischen, will noch diese Nacht bleiben und Morgen dann weiter fahren. Da er jedoch komplett ausgestattet war (inkl Boot auf dem Dach, Generator, ...) und meine Fragen wo er denn wohnen würde und was er arbeiten würde nicht wirklich beantwortet hat, denke ich bin ich auf einen Dauercamper gestoßen der wohl an diesem Strand lebt. Da das in Australien nicht erlaubt ist würde es in das Bild mit seinen Ausreden passen. Somit entscheide ich mich gegen diesen Strand und mache mich weiter zum nächsten. Leider war diese Entscheidung nicht sehr klug, da es der vorerst letzte war und somit blieb mir auch heute Nacht nur der Parkplatz am Highway. Aber ich hab definitiv genug gesehen heute und will einfach nur noch schlafen :)