Süd-West-Australien Urlaub 2011, Teil 4: Walepole bis Perth über Augusta (Tag 6+7)

Gespeichert von Vasco Weinhard am/um

Nach einer neuen Nacht am Highway gewöhne ich mich so langsam daran. Ich würde ja gerne mal morgens aus meinem Bully schauen und auf das weite Meer hinaus schauen anstatt auf ein Roadtrain. Aber das war mir bisher nicht vergönnt und ein paar Chancen hab ich ja noch.
Heute ist so ein Tag, der nicht wirklich planbar ist. Mein Reiseführer beschreibt das Gebiet mit sehenswerter Wald aber das war es dann auch schon quasi. Die wichtigen Sehenswürdigkeiten in diesem Wald werden nicht hervor gehoben, somit muss ich mir das wohl selber erarbeiten.
Kurz nach meinem Start fand sich auch gleich die erste Gelegenheit. Ein kleines Hinweisschild und eine Dirtroad. Die Kombination kenne ich ja nun derweil und somit erhoffe ich mir ein paar abgelegene Ecken. Auf dem Schild war was von Pool und Waterfall zu lesen, also mal los :)
Wie so oft die letzten Tage ist der Wasserfall leider ziemlich trocken und nur ein kleines Rinnsal tröpfelt den Stein hinunter. Nicht mal würdig für ein Foto somit gleich weiter zum Pool. Vielleicht ja nun ein schöner Pool wo man einfach mal eben reinspringt. Aber auch das blieb mir leider verwehrt. Mit mir war ein Grüppchen alter Leute da und denen wollte ich nicht zumuten mich bei meinen Arschbombenversuchen zu bewundern. Davon mal war recht wenig Wasser im Pool und wirkte auch nicht gerade extrem sauber (was wohl eher am Natursee lag, als an Verschmutzung, aber ich hatte mein Schadstoffmessgerät gerade nicht griffbereit. Man weiß ja nie...).
Also ruckel ich die Dirtroad mal wieder runter Richtung Highway und suche das nächste kleine Hinweisschild. Tatsächlich war das nächste Schild etwas größer und wie mir auf einem noch viel größerem Schild um die Ecke mitgeteilt wurde, gibt es sogar einen Radiosender, der mir erzählt was ich gerade sehe. Also entscheide ich mich die 15km Ruckelpiste in Kauf zu nehmen und mir mal anzuhören was da so los ist.
Der Radiosender ist leider nur an 7 Stationen im Wald zu empfangen und wie es scheint werde ich mal wieder damit bestraft außerhalb der Saison mir das anhören zu wollen. Wie es scheint macht sich die lokale Jugend einen Spaß daraus die FM Transmitter zu suchen und anderweitig zu verstecken. Zumindest war außer am 1. Punkt keiner der Radiostationen zu hören, dafür aber immer immer zwischen den Stationen über Themen die leider gar nicht so in die Gegend passte. Ich habe es dennoch brav alles angehört auch wenn es sicher lustig aussieht, wenn son Depp mitten im Wald stehen bleibt und sich Geschichten anhört, die da gar nicht hingehören. Dafür bin ich warscheinlich an den echten Sehenswürdigkeiten vorbeigerast. Nunja, gott sei dank hat mich keiner gesehen. Aber so richtig das Highlight war diese Reise nicht. Zumal sie durch ein (gar nicht so kurzes) Stück Highway unterbrochen wurde. An dieser Stelle hatte ich im übrigen gute Chancen in Australien zu stranden und alleine im Nirgendwo zu verkümmern.
Wie ich also aus dem Wald auf den Highway fahre (geplantes kurzes Stück) und nach 5 Minuten immer noch auf dem Highway war, dachte ich ist es mal an der Zeit meinen Vierradantrieb auszuschalten. Da das leider nur im Leerlauf geht musste ich ja nun meinen Gang rausnehmen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht einwerfen, dass mein Auto eine Lenkradschaltung hatte. Nicht diese hochmoderne mit Tippschaltern sondern mit so einem Hebel am Lenkrad, der je nach Stellung den Gang einlegt.
Nunja, da ich nun gerade mit knapp 80 auf dem Highway bin und soetwas wie eine Parkbucht nicht in Reichweite scheint entscheide ich mich den Gang einfach in voller Fahrt rauszunehmen, kurz den Vierradantrieb ausschalten und dann wieder in den Gang schalten. So der Plan. Leider meinte mein dummer Schalter direkt von dem aktuellen Gang in den Leerlauf und wo man schon mal dabei ist gleich eine Stufe weiter zu springen. Ich kann euch sagen: bei 80 von dem Vorwärtsgang in den Rückwärtsgang zu schalten klingt nicht lustig und treibt das Adrenalin fein nach oben. Netterweise ist der Gang gleich wieder rausgesprungen, so dass es nur ein kurzer aber sehr intensiver Schock war. Aber so richtig sicher war ich mir nicht, ob das Getriebe das heil überstanden hat. Aber manchmal braucht man einfach Glück und heute war dem wohl so. Nichts passiert *puh*
Nach dem Schreck ging es auch kurz darauf wieder in den Wald. Diesmal habe ich aber wirklich angehalten um den Allrad wieder einzuschalten (man lernt ja, auch wenn langsam).
Die zweite Hälfte von dem Radiowaldweg war genauso spannend wie die erste Hälfte, aber was man begonnen hat muss man auch beenden. Und am Ende der Strecke soll sich ein altes Dorf befinden, was bei der Besiedlung der Region das Zentrum darstellte. Viellleicht kriege ich ja jetzt endlich mein verlassenes Dorf zu Gesicht?
Laaaanges Geruckel und noch etwas Geruckel. In der Zwischenzeit überlege ich schon ob ich das klappern meines Autos einfach mal ignorieren soll und schneller fahren sollte? Aber bei jedem Versuch ein paar km/h mehr rauszuholen wurden kurz darauf von einer kleinen Rutschpartie auf weichem Sand unterbrochen. Nein also da Juckel ich lieber durch den Wald als nun noch vor einem Baum zu landen...
Also gefühlte 6 Stunden Geruckel weiter (vermutlich nur 15 Minuten) kam ich endlich an diesem besagten Dorf an. Aber auch dieses ist kein Dorf sondern einfach nur eine große ebene Fläche. Das verlassene Dorf soll mir wohl nicht vergönnt sein.... Aber das heute als Campingplatz genutzte "verlassene Dorf" hält mich nun nicht und es geht wieder zurück auf die Hauptstraße.
Wie ich dort feststelle ist es mal wieder an der Zeit meinen Tank zu füllen. Also wird mal wieder auf Umwege verzichtet und direkt weiter in die nächste Stadt gedüst. Leider stellt sich heraus, dass diese keine Tankstelle hat und somit muss ich noch weiter fahren. Eigentlich gäb es noch einiges zu sehen hier, da ich so langsam auch wieder Richtung Strand gekommen bin. Aber Diesel geht vor, also erstmal wieder Landeinwärts zum Tanken.
Wie so oft gibt es Landeinwärts nicht so viel Spannendes zu sehen somit geht es nach dem Tanken wieder gen Süden um das mit dem Strand mal nachzuholen. Bin mir zwar nicht sicher was mich erwartet, denn der Part um Northcliff wird in meinem Reiseführer gar nicht erwähnt und sieht auf der Karte wie ein großes Nichts aus. Aber wie ich ja lernte: da kann sich ein echter Schatz entpuppen.
Und so soll es auch sein. Angefangen hat das Sightseeing mit einem Hinweisschild auf ein Aussichtspunkt. Also das Auto abgestellt und mal mit Kamera bewaffnet auf den Weg gemacht. Irgendwie zieht sich der Weg und da es derweil Mittag ist wird das auch wohl warm. Hab ich evtl nen Hinweisschild übersehen das sagte "Aussichtspunkt 10km"? Naja ein bißchen Bewegung kann nicht schaden also nicht meckern sondern laufen :)
Nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass ich wohl auch noch den Berg besteigen soll, der sich da so langsam auftut. Was tut man nicht alles für eine schöne Aussicht. Aber endlich am Gestein angekommen wurde es noch mühsamer. Also so langsam kracksel ich da so hoch und zwischenzeitlich hörte der Weg dann auch mal auf. Man musste teilweise doch etwas suchen, bis man den nächsten Abschnitt vom Weg gefunden hat. Aber am Ende wurde ich schweißgebadet mit einem wirklich tollen Ausblick belohnt. Aber da oben auf dem Berg wirklich kein Schatten mehr war und es gerade richtige Mittagssonne gibt konnte man es nicht lange genießen.
Nach dem Fußmarsch zurück (der diesmal scheinbar noch länger war als der Hinweg, und nein ich hab mich nicht verlaufen) war ich froh beim Trinkwasser und Klimaanlage zu sein. Kurze Erfrischung und gleich weiter auf die Straße. Der Ausblick zeigte ein paar Strände und ein paar Häuser und genau da möchte ich nun hin :)
Die Häuser entpuppten sich als versnopte Wochenend Ferienhaus Siedlung. Aber wo Feriengäste sind kann ein Strand nicht weit sein, somit mal die Straßen abfahren. Kurze Zeit drauf fand ich mich an einem kleinen Parkplatz wieder der durchaus für mein Nachtquartier mit Ausblick genügen könnte. Leider war ich auch hier nicht der Erste. Wie ich gerade meine Kamera aus dem Nirvana meines Bullies wieder rauskrame höre ich deutlich, dass der Andere sich wohl mit mir unterhalten möchte. Seinen Rufen folgend gehe ich mal näher. Wie ich feststellen durfte nutzt er diesen Strand zum Nacktbaden und legte es mir auch gleich nahe. Ansonsten streifte unser 20 minütiges Gespräch so ungefähr alle Themen von Einwanderung, Nazis, Beruflicher Erfolg, schöne Strände bis hin zu der richtigen Ernährung für Hunde. Warum auch immer, der Mischmasch der Themen war (rückblickend) überwältigend. Ohne einen echten Sprung in unser Unterhaltung zu haben, haben wir doch erstaunlich viele unterschiedliche Themen abgegrast.
Wie auch immer ich bin dann mal runter an den Strand. Herrlich...

Ne kurze Zeit habe ich tatsächlich über die Option nachgedacht einfach mal alle Kleidungstücke fallen zu lassen und reinzuspringen. Aber diese Gedanken wurden gleich durch einen Spaziergänger unterbrochen somit muss ich mich damit begnügen ein paar Fotos zu schießen und einfach mal ein wenig zu laufen. Auf meinem kleinen Gang entlang des Strandes wurde deutlich, dass dieser Strand durchaus besucht wird. Somit war ich froh, das mit dem Nacktbaden einfach mal aus zu lassen. Spätestens die Junge Familie die mir auf meinem Rückweg die Treppen hoch entgegen kam hätte das sicherlich gestört.
Da es doch noch reichlich früh ist für das Nachtlager verwerfe ich auch die Idee hier mein Nachtlager aufzuschlagen und fahre mal weiter die Straßen ab. Wo ein schöner Strand ist sind meistens noch ein paar mehr.
Da ich den Strand "rechts der Siedlung" probiert hatte dachte ich probiere ich auch einfach mal die andere Seite. Also durch die sehr gepflegte Siedlung durch und den echt sandigen Weg durch die Dünen entlang. Gott sei dank hatte ich mich schon zuvor für Allrad entschieden aber dennoch war dieses Stück nur mit Schwung zu schaffen. Wie ich also aus den Dünen rausgeschossen kam, präparierte sich ein Geländewagen auf der anderen Seite für den Anlauf. Unser Timing war knapp. 2 Minuten später von mir hätte es ganz schön mächtig gescheppert in den Dünen. Manchmal muss man Glück haben und ich glaube fürs nächste Mal muss ich die Strecke vorher mal ablaufen. Wieder was gelernt :)
Der Strand wäre allerdings dem Totalschaden des Bullies nicht gerecht geworden. Dreckig und eindeutig für Fischer bestimmt. Ein paar "gestrandete" Boote und ein paar andere alte Kähne noch im Wasser. Nicht sehr fotogen und schon gar nicht schön. Also direkt umdrehen, durch die Siedlung wieder durch und nach weiteren Schönen Ecken Ausschau gehalten.

Dauerte eine Weile bis man mal wieder Richtung Strand kam und so überwältigend waren sie dann auch nicht. Naja man muss auch mal Schlechte Momente haben, denn somit ist mein Wunsch nach einem Strand zum Nächtigen wieder aufgegeben und ich entscheide mich mal wieder auf die Straße zu machen. Eine weiter Nacht auf einem Highwayparkplatz und da ich ausnahmsweise im Hellen ankomme reicht es noch für ein warmes Essen von meinem Gaskocher und ein Foto zur Nacht. Wie ich feststellte, das erste mal dass ich mein Nachtquartier fotografierte. Heute sogar mal der pure Luxus, da ich sogar ein Tisch habe (außer dem klapprigen Klapptisch der zu meinem Auto gehört). Heute sollte ich tatsächlich den Parkplatz mal für mich haben...

Neuer Tag neues Glück. Heute ist übrigens Freitag und heute kommt das Stück was aus Perth gerne mal als Tagestrip beworben wird. Somit hat man schon viel gehört. Aber zur gleichen Zeit erwarte ich entsprechende Menschenmassen. Da Freitag ist hoffe ich ist es noch nicht zu schlimm. Nunja, erstmal Frühstücken...
Kaffee habe ich mir aktuell abgewöhnt, da diese Instantplörre echt keinen weckt oder gar schmeckt. Somit beschränke ich mich auf ungetostetes Toast mit Marmelade oder Käse. Heute darf ich aber feststellen, dass mein Brot gestern abgelaufen ist und dank der vorbildlichen Lagerung im warmen Auto bereits anfieng weisse flausche Flecken zu entwickeln. Also von den 4 gekauften Toastbroten werfe ich nun 3 weg und habe kein Frühstück für heute. Da ich in der Nähe von einer großen Stadt bin entscheide ich mich also den Umweg in Kauf zu nehmen und da neben einem Frühstück mit echtem Kaffee noch etwas Toast nach zu kaufen.
Das mal eben da rum fahren entpuppt sich aber als totale Fehleinschätzung. Auf meinem Weg komme ich in irgendein "wir fahren mit dem Fahrrad durch Australien" Wettbewerb mit geschätzten 5 Millionen Teilnehmern allen Alters (vermutlich nur 500 bis 1000, aber die Fahrräder wollten kein Ende nehmen). Somit war die Gegenspur den Rädern vorbehalten und da möchte man ja auch nicht unbedingt vorbei rasen. Zudem war auch Gegenverkehr da, der dann natürlich fast ausschließlich auf unserer Spur fahren musste. Also kroch ich mit 20 bis 50km/h die Strasse entlang. Mein Magen hat defintiv eine höhere Geschwindigkeit gefordert aber absolut keine Chance...
Irgendwann endlich in Busselton angekommen stellte ich fest: Das Radrennen hatte hier gestartet heute. Somit war die ganze Stadt auf Radfahrer vorbereitet und diverse Straßen gesperrt oder zugestellt mit Dixi-klos etc. Nunja ins Stadtzentrum durchgekämpft bekam ich meinen Kaffee und das Frühstück. Meine Laune war am Boden. Der kurze Abstecher hatte einige Stunden gedauert und es war defintiv zu voll in Busselton. So viel Hektik war ich gar nicht mehr gewohnt :)

Nach der Stärkung und dem Kaffee bin ich dann wieder zurück zu meinem eigentlichen Ziel für heute: Margret River. Das Örtchen ist bekannt (neben Anglern) für den Süd westlichsten Ziepfel Australien, der Grenze zwischen Indischen und Pazifischen Ozean und einem Leuchtturm (welche es nicht oft gibt in Australien).
Leider entpuppte sich auch der Leuchtturm als überlaufen und somit schwand die wenige gute Laune vom Kaffee und Frühstück wieder und ich entschied mich gegen den Leuchtturm (hätte mich anstellen müssen, ne das geht wirklich nicht). Also versuche ich zur Steigerung meiner Laune wieder die "ich finde die netten Ecken indem ich einfach Abbiege" Taktik. Auch das klappt heute nicht. Überall wo ich war, waren mindestens noch 2 andere Autos oder gar Busse. Selbst die Dirtroad hat die Leute nicht abgeschreckt. Somit fotografiere ich mal wieder ein paar Strände und Ausblicke aber irgendwie hatte ich das alles schon. Ist schon nichts Besonderes mehr. Besonders fand ich jedoch das Wasserrad. Das Rad selbst ist derweil den Wetterbedingungen zum Opfer gefallen ist derweil versteinert ist. Aber irgendwie kommt es mir wie das vermutlich erste Perpetumobile vor. Denn das Wasserrad wurde angetrieben von einer Quelle, die etwas erhöht liegt. Auf d anderen Seite wird das Wasserrad benutzt um Wasser in den Leuchtturm zu pumpen. Kurz kam die Idee auf, warum sie nicht einfach das Quellwasser direkt in den Leuchtturm fließen lassen. Aber da das nun bereits über 100 Jahre her ist entscheide ich mich dazu, dass ich es eh nicht mehr ändern kann und es somit egal ist.

Nach dieser Enttäuschung entscheide ich mich nun dieser Region noch eine letzte Chance zu geben und fahre weiter zu den oft genannten Höhlen. Aber nachdem ich die dritte als "zu touristisch" abgestempelt habe gebe ich nun tatsächlich auf und entscheide mich noch heute durchzudüsen nach Perth. Bevor hier am Samstag noch die echten Horden an Menschen ankommen und ich total genervt bin. So habe ich zumindest noch den Samstag und Sonntag um meine Wäsche mal durchzuwaschen, warm zu schlafen und das Auto auf Vordermann zu bringen.
Nun ist noch etwas Zeit für die Statistik:
Ich habe am Ende ca. 500 Euro für Diesel ausgegeben und 3424km abgearbeitet. Somit etwa 1000km mit Umwegen und Abstechern verbracht *ups*.

Aber es war ein unvergesslicher Urlaub. Auf jeden Fall empfehlenswert...